14. Mai 2026, 7:42 Uhr, Bahnhof in Soest: Die Teilnehmenden (inklusive Jugendleiterin) der Sektion Hochsauerland treffen sich, um das Christi-Himmelfahrts-Wochenende 2026 zusammen mit Teilnehmern der Sektion Bonn und der Sektion Paderborn im Harz zu verbringen. Dort werden wir vom 14. bis 17. Mai 2026 einen Teil des Harzer Grenzwegs laufen, dabei den ein oder anderen Stempel der Harzer Wandernadel sammeln und vor allem viel lernen.
Nach der ersten Zugfahrt treffen wir in Paderborn auf die Teilnehmer der örtlichen Sektion. Im nächsten Zug gibt es schon das erste Kennenlernspiel und, wie es sich gehört, die ersten Lachkrämpfe. Im Hannoveraner Hauptbahnhofs-Lidl kaufen wir noch etwas ein, dann steigen wir auch schon in den nächsten Zug. Dort sammeln wir zunächst, was wir Teilnehmenden schon über die DDR, sowie die deutsch-deutsche Grenze wissen, anschließend erweitern unsere Jugendleitenden dieses Wissen - schließlich befinden wir uns hier auf einer Bildungsfahrt. Unsere Zugfahrt endet am Bahnhof in Stapelburg. Die Schuhe sind geschnürt, die Rucksäcke aufgesetzt, und die Stimmung ist gut: Es kann also losgehen mit unserer Wanderung entlang des Grünen Bands.
Die ersten Kilometer auf dem Harzer Grenzweg führen uns in Richtung der Eckertalsperre. Dabei stehen wir schon nach wenigen Kilometern an einem noch erhaltenem Mauerabschnitt, welcher uns zuvor auf einem Foto im Zug gezeigt wurde. Einige von uns sehen die Mauer hier das erste Mal in ,,echt“ und nicht nur auf Fotos, ein ziemlich unbehagliches Gefühl. Danach führt uns der Weg bei wechselhaftem Wetter über schmale Waldwege, breite Forstwege und schließlich auch über die alten Kolonnenwege, beziehungsweise die Beton-Lochplattenwege der DDR-Grenzanlagen, immer weiter in Richtung Eckertalsperre.
Wir sammeln den ersten Wanderstempel der insgesamt 222 vorhandenen Stempel im Harz, unterhalten uns viel und halten ein paar Mal an, damit die Jugendleiter uns von signifikanten Orten und Schicksalen im Zusammenhang mit der Mauer und der DDR erzählen können, die auf unserem Weg liegen.
Mit diesen Bildungseinheiten, interessanten Konversationen und auch der ein oder anderen Pause vergeht der Weg zur Eckertalsperre relativ schnell. An der Eckertalsperre angekommen treffen wir auf die Teilnehmer (inklusive Jugendleiter) der Sektion Bonn, welche wir eigentlich schon im Zug treffen sollten. Die Deutsche Bahn hatte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgrund einiger Verspätungen treffen wir uns erst hier, am Stempelkasten der Eckertalsperre. Nachdem wir alle vereint sind und der nächste Stempel auch schon eingesammelt ist, heißt es Tempo: Wir müssen fünf Kilometer in einer Stunde schaffen, um den Bus zu bekommen, der uns zu unserer Jugendherberge nach Braunlage bringt - sonst gibt's kein warmes Abendessen (die Lage ist also ernst!).
Glücklicherweise geht unser Weg nur noch bergab und circa 50 Minuten später stehen wir an der Bushaltestelle beim Radau Wasserfall - geschafft! Im Bus erhaschen wir erste Blicke auf den Brocken. In Braunlage angekommen müssen wir noch zwei Kilometer bergauf zu unserer Jugendherberge laufen, was wir natürlich auch hochmotiviert tun ;). Dort angekommen beziehen wir unsere Zimmer für die nächsten zwei Nächte und essen zu Abend (es gibt Salat, Nudeln mit Tomatensoße und zum Nachtisch Schoko-Pudding). „Achtung, Bildung!", heißt es dann am Abend, denn auf uns wartet noch eine etwas längere, aber sehr informative Bildungseinheit. Anschließend darauf fallen wir auch schon in unsere Betten.
Tag 2 unserer Tour beginnt früh, heute ist streckenmäßig unser längster Tag und ein Teil der Tour ist unter anderem auch der Brocken. Wir frühstücken ausgiebig und weil die Lunchpakete der Jugendherberge irgendwie sehr überteuert sind, und man das ganze Zeug aus dem Bahnhofs-Lidl ja auch nicht umsonst durch die Gegend trägt, schmieren wir uns anschließend auf unseren Zimmern Brote als Verpflegung. Mit guter Laune machen wir uns schließlich auf den Weg in Richtung Bushaltestelle, wobei heute nicht jeder einen Rucksack trägt: Da die Jugendherberge Ausgangs- und Endpunkt der heutigen Tour darstellt, kann man das Tagesgepäck leicht in wenigere Rucksäcke aufteilen. Der erste Abschnitt unseres Weges führt durch das Torfhaus-Moor, und wir stoppen immer wieder, um die Vegetation ausführlich zu betrachten sowie zu bestimmen und auch um dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Währenddessen führt unser Weg immer weiter in Richtung Brocken, wir verlassen das Moor und kommen unserem (Zwischen-)Ziel auf herkömmlichen Forstwegen, aber auch ehemaligen Kolonnenwegen immer näher. Dabei wird sich natürlich viel unterhalten, es wird gelacht, es werden Lieder gesungen sowie gelernt und die Regenschirme werden immer wieder ein- und ausgepackt.
Auf seinen letzten Kilometern führt uns der Weg zum Brocken nahe an den Schienen des Brocken-Express, einem Zug, der einen bequem auf den Brocken befördert und dabei ein bisschen so aussieht wie der Hogwarts-Express, entlang. Der Zug fährt, während wir über den Weg laufen, an uns vorbei - ein Highlight für viele von uns. Auf dem Brocken angekommen heißt es erstmal „Achtung, Bildung!" - wir werden über Brocken-Benno informiert, dann sammeln wir unseren Stempel ein und machen eine wohlverdiente Mittagspause, als es plötzlich zu schneien beginnt. Allerhöchste Eisenbahn ins Brockenmuseum zu gehen!
Das Museum auf dem Brocken ist sozusagen der Bildungs-Super-Gau unserer Tour und wir erfahren viele interessante Dinge über die Bedeutung des Brockens als Spionagezentrum für die Stasi. Gleichzeitig thematisiert das Museum auch die Baugeschichte der dortigen Gebäude und porträtiert natürlich auch das Leben der Menschen der Region in der DDR. Zudem gibt es Abstecher in die geogeschichtliche Entwicklung des Harzes und die Vegetation dieses und des Brockens.
Als wir mit dem Besuch dieses wirklich weit gefächerten und lehrreichen Museums fertig sind, hat es aufgehört zu schneien: Zeit für ein Gruppenfoto am Gipfelstein und Gipfelkekse. Dann steigen wir über den gleichen (und einzigen) Weg wieder ab, wobei wir unterhaltsame Gespräche über unter anderem Celebrity Crushes haben (für alle Älteren laut Google: Schwärmerei für einen Schauspieler oder eine berühmte Person) - endlich wirklich interessanter Gesprächsstoff ;). Am nächsten Stempelkasten trennt sich unsere Gruppe dann: Ein Teil läuft den längeren Weg weiter zum Wurmberg und dann zur Jugendherberge, der andere Teil nimmt den kürzeren Weg zur Bushaltestelle und geht einkaufen. So erlebt jede Gruppe ihr eigenes kleines Highlight: Für die „Wurmberg-Gruppe" ist es ein weiterer Stempel, für die „Einkaufsgruppe" ist es ein sehr lustiges Gespräch über einen gewissen Wal. Wir treffen uns in der Jugendherberge wieder, essen zu Abend und wenig später gibt es auch schon die nächste Bildungseinheit, bei der wir das Wissen, welches jeder von uns aus dem Brockenmuseum mitgenommen hat, sammeln und besprechen. Zusätzlich kriegen wir noch etwas Input von den Jugendleitenden. Ein paar Stunden später fallen wir erschöpft, aber glücklich in unsere Betten. Der 16. Mai, also Tag 3 unserer Tour, startet früh, wir frühstücken, schmieren die Brote, räumen die Zimmer auf, dann schnüren wir auch schon die Schuhe und setzen alle die Rucksäcke auf. Der heutige Weg führt uns über fragwürdige Brücken und schmale Pfade in Richtung des Grenzabschnitts Sorge, wo der alte Grenzzaun teilweise noch erhalten ist.
Es ist zugleich eindrücklich und bedrückend, vor so einem hohen Zaun zu stehen, der die Freiheit so vieler Menschen achtundzwanzig Jahre massiv eingeschränkt hat und die Freiheit, die wir Deutschen heute genießen dürfen, bekommt nochmal einen ganz anderen Wert. Nachdem wir die alte Grenzzone überschritten haben, führt uns der Kolonnenweg zu einem alten Wachturm, in dessen Nähe wir rasten. Das Wetter ist wie gewohnt wechselhaft und wir warten einen Schauer ab, bevor es heißt: „Achtung Bildung!" Dieses Mal bestimmen wir Pflanzen im ehemaligen Grenzstreifen mithilfe einer App. Kaum sind wir weitergelaufen erreichen wir den „Ring der Erinnerung“, eine Art Mahnmal für die Mauertoten im Harz. Auf vielen Informationstafeln am Weg erfahren wir von den Opfern, die dieser Grenzabschnitt gefordert hat, einige Male versorgen uns die Jugendleitenden mit zusätzlichen Informationen und wir laufen etwas bedrückt weiter.
Ein paar Kurven später werden wir mit dem Anblick eines fast schon diabolischen Anstiegs aus unseren Gedanken gerissen: Der Kolonnenweg führt erst steil bergab, um dann wirklich steil bergauf zu führen. Während sich manche von uns wortwörtlich den Abstieg hinunterrollen, ist die Motivation bei anderen so hoch, dass sie den ersten Teil des Anstiegs hoch rennen. Schlussendlich meistern wir auch diesen Berg und der Weg verläuft etwas gemäßigter mit Blick auf eine verlassene Kuranlage immer weiter in Richtung des heutigen Ziels. Auf dem Weg halten wir noch ein paar Mal an und die Jugendleiter erzählen uns von weiteren Fluchtversuchen in der Gegend, die leider meistens tödlich endeten. Schließlich erreichen wir unser Ziel: ein mittelgroßes Dorf namens Hohegeiß. Dort finden wir uns wenig später in einer geräumigen Ferienwohnung wieder, und nach einer längeren Pause ist es Zeit fürs Abendessen. Zum Abendessen gehen wir heute in eine kleine Imbissbude im Dorf, in die wir elf Leute gerade so hineinpassen und die unter anderem Pommes und Veggie-Burger verkauft, welche wir genüsslich verputzten.
Zurück in der Ferienwohnung gucken wir auf dem Fernseher, der sich nebenbei auch hervorragend zum Rider spielen eignet, eine Dokumentation über den Fluchtversuch zweier Teenager aus der DDR. Der Fluchtversuch, welchen leider nur einer der beiden überlebte, wurde im Laufe des Tages bereits thematisiert und nun, mithilfe der Dokumentation, bekommen wir einen noch detaillierteren Einblick. Anschließend schauen wir eine weitere Dokumentation, diesmal eine über einen geglückten Fluchtversuch mit einer Planierraupe. Dann ist es auch schon 21:00 und das ESC-Finale geht los. Zusammen sitzen wir auf dem Sofa oder auf Stühlen, essen unsere verbliebenden Snacks (Gummibärchen und legendäre Cashewkerne), schauen uns das Spektakel an, quatschen zwischendurch und lassen so den letzten Abend ins Land gehen.
Am Morgen des 17.05.2026 müssen wir noch früher als sonst aufstehen, und nachdem wir schnell gefrühstückt haben, machen wir uns auch schon an die letzten 10 Kilometer. Auf dem Weg durch den Wald sammeln wir unsere letzten Stempel ein - was auch bedeutet, dass wir einen zusätzlichen Berg für einen bestimmten Stempel hochgeschlört werden - es heißt noch ein paar Mal „Achtung, Bildung!" und wie immer wird viel geredet, gelacht (und gesungen). Der heutige Weg sorgt ein paar Mal für Verwirrung, glücklicherweise verlaufen wir uns aber nicht und bewegen uns so immer weiter in Richtung Bushaltestelle. Die wenigen letzten Kilometer stehen mehr oder weniger unter der gleichen Prämisse wie die ersten: „Tempo, wir müssen den Bus erwischen!“ Und wie schon vor ein paar Tagen erwischen wir auch diesen Bus, und treten schließlich die Rückreise an. Im Zug verabschieden wir uns von den Teilnehmern der Sektion Bonn, und etwas DB-Chaos später sagen wir auch den Teilnehmern der Sektion Paderborn „Tschüss“, bevor wir wenig später in Soest ankommen. Hier trennen sich die Wege (bis zur nächsten Gruppenstunde oder Fahrt) auch schon endgültig.
Was bleibt ist eine Ereignisreiche, lehrreiche, anstrengende und vor allem schöne Fahrt, aus der wir alle mit etwas mehr Wissen und vor allem mit viel mehr tollen, lustigen Momenten und schönen Erinnerungen gehen. Ich danke allen, die da dabei waren und hoffe, dass ihr so viel Spaß hattet wie ich :). Letztendlich bleibt mir nur eins zusagen: Unsere Rucksäcke? Aura! Unsere Wanderschuhe? Aura! und so weiter....
Bericht von Carla Göttlich, Sektion Hochsauerland
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